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Den Wölfen zum Fraß

Den Wölfen zum Fraß

Patrick McGuiness: Den Wölfen zum Fraß

McGuiness, Patrick
Den Wöfen zum Fraß

Memoire eines introvertierten Aufdeckers

Südwestengland, etwa Mitte der 80er. Eliteschüler, Hörigkeit, Demütigung, Traumatisierung. So weit, so bekannt sind auch die Zutaten für eine literarische Aufbereitung von scheinbar Vergangenem. Der Autor lässt den Erzähler, der nun Ermittler ist, über sein altes Ich eine Anklage des autoritären, schier nicht änderbaren Bildungssystems in der britischen Oberschicht schildern, mit dessen Konsequenzen er privat und professionell konfrontiert ist. Das Gefühl der Gefangenschaft, der Ausweglosigkeit, die kollektive Verdrängung, die Instrumentalisierung von Hass, all das wird in Überlänge ausgebreitet, und ja, auch positive Helden gibt es. Bezüge zur (britischen) Gesellschaft mit Medienhetze und „asozialen Medien“ bilden die Brücke zur konventionellen Krimihandlung.
Wir sind ja reflexive Krimis, in denen es nur nebenbei um die Lösung des Falls geht, schon gewohnt. Dieser ist aber nicht (selbst)ironisch, sondern eher melancholisch. Natürlich geht es im Genre eher konservativ zu, die vorherige Ordnung wird so gut wie möglich wieder hergestellt. McGuinness schafft es aber, mit der wohl autobiografisch gespeisten Erzählung eine Art Appell zu formulieren: Nütze die Zeit, ändere Dinge.
Leider eher vorhersehbar. Für Freunde „des Buches zur Netflix-Serie“.

Rezension von German Brandstötter auf https://www.biblio.at/literatur/rezensionen/opac.html